Produktivitätsmessung in ICT-Projekten

6. Oktober 2009

Thomas Fehlmann
Die ISBSG verfügt dank ihrer Mitglieder, wozu auch die SwissICT gehört, über eine Datenbank von weit über 6‘000 ICT-Projekten, die weltweit unter einheitlich definierten Kriterien ausgewertet wurden, um Vergleichsdaten zu ICT-Projekten und Dienstleistungen zu bekommen. CIOs, die sich nicht scheuen, können daraus ersehen, wie viel ihr geplantes ICT-Projekt kosten darf und wie lange es dauern wird. Sie können dann diese Daten mit den Angaben ihrer Lieferanten vergleichen. Allenfalls kann man daraus auch ersehen, wie viel es hätte kosten dürfen.

Der Glaube an Festpreise

Das Problem tritt meist erst etliche Zeit nach dem Start eines Projektes zutage. Wenn man eine Dienstleistung zum Festpreis einkauft, erkennt man meist zu spät, was man bei der Ausschreibung alles noch nicht wusste, und wie viel sich während der Projektlaufzeit ändert. Lieferanten sind dann sehr innovativ in Erklärungen, was alles nicht im angebotenen Festpreis inkludiert war – und verrechnen dann höhere Stundensätze.
Auch bei Outsourcing ist die Frage ungelöst, was genau geschuldet ist − falls ein Service im SLA vergessen ging, oder falls neue Bedürfnisse auftauchen − und wo tauchen sie nicht auf, wo Märkte und Umfeld so schnell ändern wie heute? Change Requests sind die Folge, und diese kosten viel − nicht nur wegen der eigentlichen Funktionalität, sondern wegen der hohen Transaktionskosten.
Einen Change Request zu genehmigen, bedeutet viel Aufwand für Spezifikation, Diskussion, Preisfindung, Freigabe und schliesslich Kontrolle der Implementierung. Festpreisprojekte tendieren zu vielen Change Requests, oft in derselben Grössenordnung wie das originale Projekt, so dass sogar solche Projekte, die gut geführt werden, am Schluss das Budget nicht einhalten.
Auch SCRUM und andere agile Vorgehensweisen ändern daran nichts – zwar fällt die Steuerung des Projektes leichter, aber es bleibt genauso schwierig, ein Budget zu erstellen, denn die Datenbank der ISBSG zeigt klar, dass die Produktivität durch agile Methoden keinesfalls verbessert wird. Sie fällt allerdings auch nicht ab im Vergleich zu klassisch geführten ICT–Projekten.
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