Swatchs Smartwatch für in den Sand
Quelle: Swatch

Swatchs Smartwatch für in den Sand


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2015/09

     

Zwei von fünf Redaktoren von «Swiss IT Magazine» spielen Beachvolleyball. Mit diesem 40-Prozent-Anteil dürften wir deutlich über dem Schweizer Durchschnitt liegen und sind damit prädestiniert, die Touch Zero One – die erste Smartwatch des Schweizer Uhrengiganten Swatch – zu testen. Denn genau an Beachvolleyballer – Swatch ist in diesem Sport ein wichtiger Sponsor – richtet sich die Uhr. Also ab ins Training damit.


Ein 73er-Schlag… und jetzt?
Im Wesentlichen misst die Uhr, wie oft man beim Beachvolleyball geschlagen hat und wie stark der Schlag war. Bei der Stärke weist die Touch Zero One allerdings keine Stundenkilometer aus, sondern zeigt die Schlagstärke auf einer Skala von 1 bis 99 an. Über Sinn und Unsinn dieser Funktion kann man streiten. Fakt ist, dass im professionellen Beachvolleyball bei Fernsehübertragungen – anders als beispielsweise im Tennis – keine Angaben zur Schlagstärke gemacht werden, weder auf einer Skala von 1 bis 99 noch in km/h. Somit habe ich als Swatch-Smartwatch-Nutzer keinen Anhaltspunkt, wo ich mit meiner Schlagstärke stehe. Ich weiss einfach, dass meine Schlagstärke 73 ist. Aha!
Immerhin: Gut gemacht ist das Ganze. So blendet die Uhr nach jedem Schlag für einen Augenblick die letzte Schlagstärke ein, man bekommt also unmittelbares Feedback zu seinem letzten Schlag.

Wo ist der Bluetooth-Knopf?

Sinnvoll auslesen kann man die Daten, indem man seine Uhr mit dem Smartphone beziehungsweise der darauf befindlichen (und gut gemachten) Zero-One-App synchronisiert. Und jetzt wird’s mühsam. Um Daten zwischen Uhr und Handy zu synchronisieren, muss man an der Uhr Bluetooth aktivieren. Dann aber kann man keine andere Funktion der Uhr nutzen. Das macht Sinn, schliesslich will Swatch, dass die Batterie der Uhr einige Monate und nicht nur einen Tag hält. Allerdings kann Bluetooth nicht aktiviert werden, wenn die Beachvolleyball-Schlagmessung läuft. Das bedeutet also: Zuerst den Beachvolley-Modus deaktivieren, Bluetooth aktivieren, synchronisieren, dann Bluetooth wieder deaktivieren, den Volleymodus wieder aktivieren und weitermessen. Jetzt wäre das alles nicht so schlimm, wenn die Bedienung der Uhr extrem einfach wäre. Ist sie aber nicht – zumindest nicht im Zeitalter von Smartphones, Apple Watches und ganz generell Touchscreens. Denn die Swatch-Uhr besitzt nur vermeintlich einen Touchscreen. Lediglich der untere Teil der Uhr ist berührungsempfindlich, wobei man einen Punkt in der Mitte kurz oder lang antippen sowie nach links und rechts scrollen kann. Mit diesen vier Optionen quält man sich durch die Menüs und nimmt Einstellungen vor, was doch äusserst gewöhnungsbedürftig ist. Wenn es zumindest für die Synchronisationen einen
Bluetooth-Knopf gäbe: Einmal drücken, und die Daten werden ans Handy geschickt und man kann die Uhr weiterverwenden… aber in der jetzigen Form macht das Ganze irgendwie keinen Spass.
Abgesehen von der Beachvolleyball-Funktion findet sich eine Funktion, die das Klatschen als Fan misst – witzig, über den Nutzen kann man streiten. Weiter gibt es einen Schrittzähler, der ebenfalls mit dem Smartphobne synchronisiert werden kann, einen Coach, der einem helfen soll, gesteckte Ziele zu erreichen, und natürlich Uhr-typische Funktionen wie einen Alarm oder eine Stoppuhr.

Emotion vor Funktion

Swatch-Boss Nick Hayek erklärte Ende August in einem Interview mit dem Pendlerblatt «20 Minuten» zur Touch Zero One, dass bei dieser Uhr «zuerst die Emotionalität und nicht die Funktionalität kommt, ganz im Gegensatz zu anderen Smartwatches, wo die Funktion über allem thront». Diese Aussage können wir nach unserem Praxistest ganz klar bestätigen.
Unverständlich erscheint uns allerdings, dass Uhren-Spezialist Swatch an der Touch Zero One ein Uhrenarmband installiert, das in der Länge nicht verstellt werden kann. Die Länge des Bandes wird beim Kauf ausgewählt und ist dann fix. Eine Uhr, die an den durchschnittlichen Männerarm passt, kann somit beispielsweise von der Partnerin mit einem durchschnittlichen Frauenhandgelenk nicht getragen werden – sie lottert. Schade.
(mw)


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